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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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29.11.2018

Interview mit Hans Martin Golz - Neuer Pfarrer in Halles Süden

Hans Martin Golz

Anfang dieser Woche traf sich die Öffentlichkeitsarbeit mit dem neuen Pfarrer in Halles Süden, Hans Martin Golz. In einem Interview gab er Einblicke in sein Ankommen vor Ort, unerwarteten Eindrücken und ersten Ideen für die Zukunft:

Red.: Herr Golz, Sie sind jetzt seit zwei Monaten hier vor Ort. Wie war Ihr Ankommen in Halles Süden?

Es ging gleich lebendig und fröhlich los. Mein erster Tag hier war auch gleichzeitig meine Einführung ins Pfarramt. Anschließend gab es ein Herbstfest mit vielen Kindern, kleinem Markttreiben und vielen Spielen - ein herzliches Willkommen, denn man war gleich mitten im Leben drin. Ich habe mich sofort hier im halleschen Süden sehr wohl gefühlt.

Jetzt bin ich erst einmal dabei einen Einblick zu gewinnen, die Leute kennenzulernen und zu gucken, wie leben die Hallenser und wie ticken sie so? Was wollen sie? Was brauchen sie? Und was mögen sie vielleicht auch gar nicht. Ich will nicht gleich von mir so viel bringen, sondern schaue und will offen sein für das, was mir begegnet.

Red.: Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als sie erfuhren, dass sie Ihren Entsendungsdienst in Pfarrbereich Halle Süd antreten?

Als ich in meinem Bekanntenkreis erzählt habe, dass ich nach Halle Süd gehe, zu dem auch die Silberhöhe gehört, haben viele zu mir gesagt: „Oh Gott, wie wird das werden?!“ Da habe ich mich von Anfang an dagegen gewehrt. Ich habe immer gesagt, dass ich die Leute erst einmal kennenlernen möchte und nicht gleich denke: „Ich gehe in ein Problemviertel!“. Das war mir wichtig.

Red.: Und wie sieht es jetzt aus?

Im Kontakt mit den Menschen vor Ort hatte ich oft „Aha“-Momente. Wenn ich in der Silberhöhe unterwegs bin, stelle ich immer wieder fest, wie herzlich – wenn auch sehr ehrlich und manchmal auch schroff – aber hilfsbereit die Leute sind. Ich denke öfters, wie unfair und ungerecht es doch ist, die Leute unter „die Silberhöhe“ zusammenzufassen, in der alle Problemfälle sind und niemand sein Leben meistern kann. Das sind Menschen, wie im Rest der Stadt auch. Sie haben ihre Sorgen, aber auch ihre Freude und sie meistern ihr Leben mit den Möglichkeiten, die sie haben. Das gilt es nicht zu bewerten.

Red.: Insgesamt dauert die Entsendungszeit drei Jahre. Welche Akzente will der Pfarrer Hans Martin Golz setzen?

Ich möchte das machen, was sowohl mir persönlich Spaß macht, als auch den Leuten Freude bereitet. Meine große Leidenschaft ist die Musik. Daher suche ich nach Möglichkeiten, mit anderen zusammen Musik zu machen. Außerdem lebe und esse ich sehr gern in Gemeinschaft. Ich will die Menschen an einen Tisch bringen. Vielleicht laden wir mal nicht zum Gottesdienst ein, sondern zum Essen. Dann feiert man gemeinsam am Tisch Abendmahl und anschließend isst man miteinander, trinkt Wein und genießt die Gemeinschaft.

Red.: Ulrike Treu, ihre Vorgängerin, war politisch sehr engagiert. Unter anderem vertrat sie den Kirchenkreis beim Bündnis gegen Rechts. Wie politisch ist Ihr Amtsverständnis?

Kirche kann gar nicht unpolitisch sein. Sie verhält sich ja immer zu dem, was sie vorfindet. Mir ist wichtig in allem notwendigen Engagement nicht die Offenheit zu verlieren. In meinem Gegenüber sehe ich zu allererst den Menschen. Ich finde es extrem wichtig, ihn nicht gleich den Stempel „Nazi“ oder sonst was aufzudrücken. Neben offenen Rassismus sehe ich  auch das Problem des Alltagsrassismus. Den findet man in allen Schichten und nicht nur in dem einen Stadtteil. Und da sehe ich prinzipiell die Aufgabe von Kirche sich für Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit einzusetzen.

Aktiv führen wir als Gemeinde das Engagement von Frau Treu weiter, indem wir aktuell daran arbeiten der Eritreischen Flüchtlingsgemeinde in der Ammendorfer Kirche eine zukunftssichere Unterbringung zu gewährleisten.

Red.: Jetzt kommt bald die erste Weihnacht in der neuen Heimat. Wie wird sich das für Sie anfühlen?

Vielleicht passt Weihnachten gut hier her. Ich höre von vielen Leuten immer wieder die gleichen Geschichten: Dass sie nach der Wende ihre Arbeit verloren haben und dass sie sich irgendwie verloren und ausgegrenzt fühlen. Manchen ist es geglückt noch irgendetwas zu finden. Die schlagen sich durch. Aber viele haben den Weg zurück ins Arbeitsleben auch nie wieder gefunden und fühlen sich ausgeschlossen. Da kommt das Licht der Weihnacht ganz recht – als Hoffnungszeichen, dass die Leute eben doch gesehen werden und nicht verloren sind.

Es gibt ein Lied von Gundermann, indem er über seine frisch geborene Tochter Linda singt. „Du bist in mein Herz gefallen, wie in ein verlassenes Haus. Hast die Türen und Fenster weit aufgerissen. Das Licht kann rein und raus.“ Dieses Bild finde ich spannend. Ich habe das Gefühl, dass da viele Leute anknüpfen könnten, wenn man ihnen zeigt, dass dieses Kind zu Weihnachten für sie geboren wird und ihnen Licht und Hoffnung bringt.

Im Übrigen finde ich es total toll, dass am Samstag die freiwillige Feuerwehr aus Ammendorf mit dem großen Leiterwagen kommt und im Kirchturm den Stern aufhängt. Von überall her sieht man den Beesener Kirchturm, ob man zwischen den Plattenbauten oder in der Aue steht. Dieser Stern ist das Zeichen: Gott bringt Licht ins Dunkel. 

Red.: Der Jahreswechsel steht auch für Neuanfang und oft auch für gute Vorsätze. Was haben Sie sich für das kommende Jahr vorgenommen?

Wir haben uns als Kirchgemeinde das Ziel gesetzt, das Gemeindezentrum wieder mit Leben zu füllen. Mit unserer Lage inmitten der ehemaligen Industrie und den Plattenbauten sind wir mit dieser wunderschönen Kirche und dem ruhigen Kirchhof wie eine kleine Insel. Das soll aber keine Enklave sein, sondern offen für alle, die das nutzen wollen und eine gute Zeit hier haben möchten.

Einen ersten Versuch gibt es zu Himmelfahrt. Bis zum darauffolgenden Sonntag wollen wir auf dem Grundstück eine Kinderfreizeit mit Pfadfindern anbieten – schlafen in selbstgebauten Kohten, Feuermachen und unter freiem Himmel leben. Das alles passiert in einer Kooperation mit der Kirchgemeinde aus Laucha. Auf das lebendige Wuling freue ich mich jedenfalls schon jetzt sehr.

Vielen Dank.

 

 

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