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Superintendentin Dr. Niethammer nimmt Dienst auf

Nur wenige freie Plätze waren bei der gestrigen Einführung von Dr. Ute Niethammer in der halleschen Marktkirche verfügbar. Im Beisein von kommunalen und kirchlichen Verantwortungsträgern führte Regionalbischöfin Bettina Schlauraff die Theologin in ihren Dienst als Superintendentin im Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis ein. Zudem wurde in dem Festgottesdienst der amtierende Superintendent Karsten Müller nach viermonatiger Dienstzeit von seinen Aufgaben entbunden.

Worte zur Einführung

Dr. Ute Niethammer ist die erste Frau an der Spitze des Kirchenkreises. Mit ihr beginnt im Kirchenkreis Halle-Saalkreis eine „neue Ära“, zitiert die Regionalbischöfin in ihren einführenden Worten ein hallesches Onlineportal. Dabei erinnert Schlauraff zugleich daran, dass sich das kirchliche Verständnis von Macht und Hierarchie in den zurückliegenden Jahren weiterentwickelt habe: „Gerade der Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt hat schmerzhaft aufgedeckt, wohin Rollen und Verantwortungsdiffusion und ein überhöhtes Machtverständnis führen kann. Neu und anders über Macht nachzudenken, heißt dabei nicht, Macht und Verantwortung unsichtbar zu machen. Im Gegenteil, Sie müssen sichtbar sein und sich messen lassen.“ Daran erinnere auch das Amtskreuz, dass Schlauraff der Superintendentin überreichte.

Den Abschluss ihrer einführenden Worte markierte eine Korrespondenz, welche die Regionalbischöfin mit Dr. Niethammer im Vorfeld des Gottesdienstes führte: „Was würden Sie Jesus denn gerne fragen, habe ich Sie [Dr. Niethammer] gefragt. Und Sie haben geschrieben: Also wenn Jesus wirklich zum Frühstück kommen würde, wäre meine erste Frage: Kaffee oder Tee, damit er auch wirklich wach ist? Und dann käme meine zweite Frage: Ich gebe ihm die aktuelle Tageszeitung und frage: Bitte lies und sag mir, worum ich mich als Erstes mit dir zusammen kümmern kann. Damit machen sie klar, Kirche ist in der Welt, das ist unser Auftrag. Und wo wäre denn die Kirche, hätten wir all diese festen Bauten und festen Zeugnisse der kirchlichen Existenz nicht, hab ich sie auch gefragt. Auf der Peißnitzinsel, am Heidesee, auf der Silberhöhe, in Gärten, überall, wo Menschen zusammenkommen […], haben Sie geantwortet. Und diese Gedanken möchte ich gern einfach so stehen lassen.“

Predigt zu Römer 5, 1-5

In ihrer ersten Predigt als Superintendentin stellt Dr. Ute Niethammer die tiefe Überzeugung des Apostels Paulus ins Zentrum, dass im Glauben und Vertrauen auf Gott eine Hoffnung erwächst, die auch durch Leid und Enttäuschung hindurch trägt. Im Lichte des Sonntags „Reminiszere“ („Erinnern“) schlägt die Superintendentin einen Bogen aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Orte wie der „Rote Ochse“ in Halle stünden für erlittene Gewalt in NS- und DDR-Zeit. Im Schmerz der Erinnerung offenbaren sich aber auch immer Räume der Hoffnung, wenn Zeitzeugen deutlich machen, dass es in all dem Leid auch eine Kraft gab, die stärker als Angst und Hass war. „Der Ostersonntag“, so Dr. Niethammer, „ist der Tag, der die Erinnerung an den Kreuztoden überbietet. Wegen dieser Erzählung der Auferstehung feiern wir jeden Sonntag eine kleine Osterfeier. Eine Erinnerung daran, unsere Schwächen, unsere Sterblichkeit ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen glänzt uns die Lebenskraft Gottes entgegen.“

Dieser göttliche Glanz zeige sich überall dort, wo Menschen nicht resignieren – im Engagement für Menschenrechte und Gerechtigkeit, im Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, in kirchlichen Projekten und lebendiger Gemeinschaft vor Ort. Wo Menschen solidarisch handeln, Hoffnungsinseln schaffen und sich nicht unterkriegen lassen, wird Gottes Geist wirksam. „Und so funkelnd und glitzernd hab ich bisher Kirche hier erlebt, als eine Gemeinschaft, die aus der Erinnerung, schon einmal standgehalten zu haben, die Kraft zu einer engagierten Haltung gewinnt, die Position bezieht. Eine Gemeinschaft der Heiligen ist, sich erinnert und gleichzeitig aufbricht, um Kirche Jesu mitten im Heute zu gestalten“, endet Dr. Niethammer und verbreitet selbst wortwörtlich ein wenig Glanz in Gottes Haus.

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