Rückblick: Fahrradpilgern mit Superintendentin Dr. Niethammer
„Praktisch, schnell und … neugierig!“ Mit diesen drei Worten beschreibt sich Superintendentin Dr. Ute Niethammer selbst, als Sr. Martina auf dem Petersberg die Vorstellungsrunde eröffnet. Und tatsächlich: Gerade ihre Neugier erweist sich auf ihrer zweiten Pilgertour erneut als Türöffner – für inspirierende Gespräche, interessante Begegnungen und spannende Einblicke in das kirchliche Leben entlang der Route.
Start in Peißen: Geschichten, die man nicht vergisst
Mit Gebet und Segen beginnt am Freitag, dem 20. März 2026, um 9 Uhr an der halleschen Marktkirche die Radtour der Superintendentin und ihrer vier Begleiter:innen. Erste Station ist die St. Wenzelkirche in Peißen.
Dort empfängt Frau Hunold, die im benachbarten Gemeindehaus wohnt, die Gruppe und öffnet nicht nur die Kirchentür, sondern auch ein Schatzkästchen voller Anekdoten. Sie erzählt vom Kruzifix, das auf dem Friedhof „bestattet“ und 1850 wieder ausgegraben wurde. Vom Schnitzaltar, der einst auf die Freyburger Neuenburg gelangte und später zurückkehrte. Von einer Umbenennung, die selbst im Kreiskirchenamt für Irritation sorgte. Und nicht zuletzt die Überraschung, als der im Jahr der Taufe 2023 mit Wasser befüllte und über Nacht durchtränkte Taufstein plötzlich seine sonst kaum sichtbare Bemalung Preis gab. "Sie merken, ich liebe meine Kirche", rechtfertigte die Gästeführerin ihre ausführlichen aber nicht minder unterhaltsamen Ausführungen zum Kirchbau.
Die Peißener Kirche ist von April bis Oktober an den Wochenenden als offene Kirche zugänglich.
Zwebendorf: Ein Dorf, das zusammenhält
Nur wenige Pedaltritte weiter wartet bereits das nächste Empfangskomitee: Eberhardt Leonhardt, Hans Georg Schlemmer und Andreas Baumann. Selten verirren sich Ausflügler:innen in den kleinen Ort. „Wir fanden es schade, dass die Kirche so wenig Beachtung findet“, erzählt Ortsbürgermeister Leonhardt. Aus dieser Einsicht entstand eine bis heute währende Kooperation zwischen Heimatverein und Kirchengemeinde, von der beide Parteien profitieren. Trauerfeiern, Weihnachtsliedersingen, das große Erntedankfest mit Festumzug – die Kirche ist Mittelpunkt des Dorflebens. Und doch: Insbesondere in den Wintermonaten – sieht man von der übervollen Christmette einmal ab - blieben die Gottesdienstbänke oft leerer als früher.
Wer die Kirche besuchen möchte, findet vor Ort einen Aushang mit dem Kontakt von Herrn Baumann, der gern aufschließt.
Landsberg: Gelebte Ökumene und mutige Experimente
Mit der Kirche in Landsberg steht ein Pfarrbereichswechsel an, dessen Verantwortliche Adelheit Ebel, Marie Zieme und Werner Meyknecht sich bereits an den Stufen zu Kirche und Gemeindehaus Kirche postiert haben. Gemeinsam feiern sie eine Mittagsandacht in dem ökumenisch genutzten Gotteshaus. Das praktische, ökumenische Miteinander, wie es Pfarrer Meyknecht nennt, findet auch in liturgischen Handlungen seinen Niederschlag. Während sich die katholische Gemeinde für Gestaltung und Entzündung der Osterkerze verantwortlich zeichnet, liegt der Adventskranz in den Händen ihrer evangelischen Schwestern und Brüder.
Beim Mittagessen im Pfarrhaus berichten die Hauptamtlichen vom Erprobungsraum „reBOOTen“ – einem mutigen Projekt, das Kirche jenseits klassischer Mitgliedschaft erprobt. Fünf Jahre seien sei Beginn des Erprobungsraumes vergangen. Schöne Erfolge wurden gefeiert ebenso wie „wunderschöne Dinge“ gescheitert seien. Gelernt habe man, dass es immer wieder Pausen brauche – um durchzuatmen und Erreichtes zu reflektieren.
Die 750 Mitglieder umfassende Gemeinde zähle 250 Ehrenamtliche, wovon nicht alle christlichen Glaubens seien. Dies gelte auch – und dies überrascht umso mehr - für Engagierte im Verkündigungsdienst. Es gelte immer genau zu gucken, wo etwas fehlt, wo etwas sein Ende finden kann oder was in anderer Form weiterleben kann. Binsenweisheiten, wird manch einer denken. Aber niedrigschwellige geistliche Angebote abseits der traditionellen Formate wie z.B. der „KlangRaumKirche“ oder die Pfadfinder statt traditioneller Kinder- und Jugendarbeit haben ihren Ursprung in dieser konsequenten Haltung und Umsetzung.
Niemberg, Eismannsdorf & Brachstedt: Kurze Zwischenstopps auf dem Weg zum Petersberg
Weniger zeitlich entspannt ging es dann weiter nach Niemberg. Rück- und Ausblick auf Kirche und Gemeinde gewährten hier der Synodale Andreas Quellmalz sowie der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Alexander Reuter. Letzterer begleitete die Radpilger:innen – mit Zwischenstationen in Eismannsdorf und Brachstedt - bis hinauf zum Zielort, den Petersberg.
Kloster Petersberg: Ankommen, Singen & Weiterdenken
In der hier beheimateten Stiftskirche warteten bereits 15 Gemeindeglieder aus den umliegenden Ortschaften, um die Pilgergruppe in Empfang zu nehmen. Nach kurzer Stärkung, luden die Schwestern und Brüder des Klosters in die beheizte Winterkirche zur Gesprächsrunde mit Superintendentin Dr. Niethammer. Vor dem Austausch über Perspektiven und Ideen der geistlichen Leiterin des Kirchenkreises griffen die Anwesenden aber erst einmal zu Gesangbüchern und Pfarrer Dr. Johannes Thon zum Akkordeon.
Und dann war sie auch wieder da, die Neugier: Auf die Gläubigen im entkirchlichten Osten und wie diese Menschen ihren Glauben leben. Auf die Ideen, wie Räume geschaffen werden, die Jugendliche mit Kirche in Kontakt bringen und einladen, die eigene Spiritualität zu ergründen. Auf Chancen und Grenzen der Regionalisierung von Kirche. Und auf die sich wandelnden Rollen des Haupt- und Ehrenamtes. „Spüren, hören und sehen“ wolle Dr. Niethammer, was dran sei und gebraucht werde. Ein Patentrezept, wie Kirche der Zukunft aussehe, habe auch sie nicht. Sie sei aber getragen vom – auch biografisch geprägten - Wissen, dass es bei allen herausfordernden und manchmal auch schmerzlichen Momenten immer ein Morgen und Wege aus der Dunkelheit gäbe.
Der zweite Tag führte die Superintendentin dann wieder bergabwärts nach Krosigk, Löbejün und Garsena, bevor flussabwärts dem Saaleradweg folgend wieder Halle angesteuert wurde.
Ausblick: Unterwegs im Gestaltungsraum "West"
Die dritte und vorerst letzte Pilgertour findet vom 6.-9. April 2026 statt. Zu Fuß führt uns der Weg von Halle-Dölau über Halle-Neustadt weiter nach Schochwitz, Teutschenthal zurück nach Halle. Eine Zusammenfassung hierzu gibt es wie immer blitzlichthaft auf Instagram und ausführlicher hier auf unserer Webseite.