Letzte Kreissynode: Von Jugendmitarbeiter bis Impro-Theater
Vertieft in Gespräche konnte man einen sichtbar erleichterten Präses zum Ende der zurückliegenden Synode beobachten. Sechs Jahre lang verantwortete Mark Udo Born gemeinsam mit seinen beiden Präsidiumsmitgliedern Gundula Eichert und Christian Hundrieser die Leitung des Kirchenparlamentes.
Am zurückliegenden Samstag, d. 15. November 2025 traf sich das höchste Gremium des Kirchenkreises ein letzten Mal zu einer regulären Tagung.
Gottesdienst mit Einführung
Den Beginn markierte wie üblich ein Gottesdienst, in dem dieses Mal Diana Zimalla offiziell als Mitarbeiterin im Büro der Superintendentur begrüßt wurde. Im Beisein der Regionalbischöfin Bettina Schlaudraff segnete Gundula Eichert in der Johanneskirche Zimalla.
Grußwort der Regionalbischöfin
In ihrem Grußwort zu Beginn des inhaltlichen Tagungsteils lud Regionalbischöfin die 35 Synodalen ein, sich noch einmal an den Beginn der Legislatur zurückzufühlen, Erwartung und Hoffnungen Revue passieren zu lassen. Wie sah damals Gesellschaft und Kirche aus? Wie haben die zurückliegenden Weltereignisse diese Bilder und das Gefühl verändert? Coronazeit und der Krieg in der Ukraine haben - auch binnenkirchlich - den Verantwortungsträgern einiges abverlangt. Da viele der zu treffenden Entscheidungen ein Novum waren, brauchte es Mut und Zutrauen. Dabei durften und dürfen wir auch künftig im Wissen handeln, dass Gott auf diesem Weg stets an unserer Seite sei, so die Regionalbischöfin in ihrem abschließenden Blick voraus auf die anstehende Legislatur.
Bericht des Amtierenden Superintendenten
Erstmals - und aller Voraussicht nach auch letztmals - trat Karsten Müller in seiner Funktion als amtierender Superintendent ans Mikrofon. „Wir befinden uns als Kirchenkreis zwischen den Zeiten“, beschreibt er die aktuelle Vakanzsituation. Den Gottesdienst zur Verabschiedung von Hans-Jürgen Kant vor Augen lenkt er den Blick der Synodalen einleitend auf das „Eigentliche“, wie er es nennt: „Das Eigentliche wird spürbar, wenn wir nicht in den Tag hineinleben, sondern als Geschöpfe in Beziehung zu unserem Schöpfer existieren. […] Wenn in einem Kirchraum [wie zur Verabschiedung des Superintendenten Kant] Gott uns anspricht mit seinem Wort und wir ihm antworten mit Gebet und Lobgesang, dann wird für mich das Eigentliche von Kirche und die Kraft des Glaubens in besonderer Weise deutlich und spürbar.“
So wichtig Erinnerung sei, so dürfe sie nicht die Gegenwart herabsetzen. „Die gute alte Zeit war auch einmal eine schlechte neue“, leitet Müller seine Rückschau auf die letzten sechs Monaten ein. Der Blick auf die zurückliegende Gemeindekirchenratswahl bildete dabei einen besonderen Schwerpunkt. Die Wahlbeteiligung lag bei etwas mehr als 20 Prozent, wobei 80 Prozent der abgegebenen Stimmen auf die Briefwahl zurückzuführen sind. Vor den 302 gewählten Gemeindekirchenratsmitgliedern sind mehr als die Hälfte, also 168 Frauen. Alles weitere können Sie im Bericht nachlesen, den wir für Sie zum Download bereit gestellt haben.
Errichtung von zwei Stellen für die Arbeit mit Jugendlichen
Der Kreiskirchenrat beantragte bei der Kreissynode die Errichtung von zwei Stellen für die Arbeit mit Jugendlichen. Dies war das Ergebnis eines langen Prozesses dessen Ausgangspunkt eine landeskirchliche Visitation war. Bei dieser wurde dem Kirchenkreis nahegelegt mehr Ressourcen in die Arbeit mit Jugendlichen zu investieren. Infolgedessen gründete sich eine Arbeitsgruppe, der insbesondere auch Jugendliche aus den Kirchengemeinden angehörten. Die obig benannte Beschlussvorlage war das Ergebnis der Diskussion. Der jeweilige Stellenumfang soll dabei 75 Prozent umfassen. Eine der beiden hauptamtlichen Personen, die mit den gemeindepädagogischen Aufgaben betraut werden, soll ordiniert - also Pfarrerin oder Pfarrer beziehungsweise ordinierte Gemeindepädagogin oder Gemeindepädagoge – sein. Zudem soll eine der Personen zusätzlich mit 25 Prozent Stellenanteil in der Lebenswende beauftragt werden.
Wichtig war der Arbeitsgruppe, dass die Stelleninhaber*innen „frei schwebend“ aktiv sein sollen. Das heißt, dass sie an keine Gemeinde angegliedert sind, sondern im gesamten Kirchenkreis mit ihren Angeboten ausstrahlen sollen. Die Hauptaufgabe liege dabei in der Vernetzung der Jugendarbeit der Gemeinden. Zudem sollen Jugendliche befähigt und dabei begleitet werden eigenverantwortlich Angebote auf den Weg zu bringen. Es können aber auch eigene Projekte geplant und ausgeführt werden, wobei insbesondere auch ländliche Regionen stärker in den Blick zu nehmen sind
Beide Stellen sind jeweils befristet auf 6 Jahre und werden aus den Rücklagen des Verkündigungsdienstes finanziert. Zentraler Sitz werde die Mittelstraße 14 in Halle, wo im kommenden Jahr Räume frei werden.
In der anschließenden Diskussion regte die Synodale Isolde Mertin an, in den dann fälligen Ausschreibungen der Medienkompetenz stärkere Beachtung zu schenken. Mit Blick auf eine mögliche Verknüpfungen mit der Feier der Lebenswende regte die Abgeordnete Ulrike Taggeselle an, dass die oder der Stelleninhaber gemeinsam mit dem Team der Lebenswende, die Feiern perspektivisch weiterentwickeln und bestenfalls mit der Jugendarbeit vernetzen solle. Ihren darin enthaltenen Vorschlag vorab festzulegen, welche der beiden Personalstellen eine Aufstockung um 25 Prozent erhalte, wurde entgegengehalten, dass das künftige Team die eigenständig und mit Blick auf Ressourcen und Begabungen klären solle. Im Zuge der damit beginnenden inhaltliche Diskussion, wies der Synodale Eckart Warner darauf hin, dass es der Synode lediglich obliegt die Personalstellen einzurichten. Die Details des Ausschreibungstextes beziehungsweise einer möglichen Beauftragung sei dann Sache der jeweiligen Arbeitsgruppe, Ausschüssen und des Kreiskirchenrates.
Dem Antrag diese zwei Jugendarbeits-Stellen einzurichten wurde bei drei Enthaltungen mehrheitlich zugestimmt.
Haushalt und 2-Prozent-Apell
Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Halle-Saalkreis beschloss den vorgelegten Haushaltsplan für das Haushaltsjahr 2026 in Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 15.276.398 Euro einstimmig. Buchhalterische 5.044.576 € entfallen dabei auf die Finanzierung des Verkündigungsdienstes.
Wie bereits bei den kreiskirchlichen Kollekten übernahm der „Ausschuss für Diakonie und Soziales“ auch bei der inhaltlichen Zuweisung des 2-Prozent-Apells stärker Verantwortung und stellte die von ihm ausgewählte Einrichtung, das Schulzentrum Talita Kumi („Mädchen steh auf“) in Beit Jala, vor. Christliche und muslimische Kinder werden hier gemeinsam unterrichtet. Insbesondere Mädchen und junge Frauen sollen hier gefördert und auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden. „Talita Kumi sei ein wichtiger Beitrag zur Überwindung von Konflikten und Gewalt in der Region“, so der Ausschussvorsitzende Christian Hundrieser bei seiner Empfehlung. Die 12.000 Euro sollen in Fortbildungen für das Lehrpersonal sowie in Schul- und Spielmaterial („Schularbeit Heiliges Land“) investiert werden.
Dem Antrag des Ausschusses wurde einstimmig zugestimmt.
Planungsstand neues Evang. Gesangbuch
Noch vor den abschließenden Berichten aus den Ausschüssen stellte der Synodale Joachim Diemer den aktuellen Planungsstand zur Neuordnung des Gesangbuches vor. War bislang das Kirchenjahr struktureller Anknüpfungspunkt findet sich künftig folgender Aufbau im Buch:
- TagesZeit: Abend & Nacht
- JahresZeit: Advent & Weihnachten
- AlleZeit: Psalmen singen & beten
- LebensZeit: Taufe & Konfirmation feiern & gedenken
- WeltZeit: loben, danken, feiern
Diese Struktur umfasst eine Mischung aus Liedern und Texten, wie Einführungstexten, Gebeten und Bibelstellen. Ergänzt werden die Hauptinhalte durch regionale Anhänge und digitale Angebote, die weitere Materialien bereitstellen.
https://www.kirchenmusik-ekm.de/aktuelles/neues-gesangbuch
Bericht aus den Ausschüssen
Das inhaltliche Ende bildete der Bericht des Ausschusses für Diakonie und Soziales, der sich zu Beginn der Legislatur die Aufgabe stellte, eine Übersicht über alle diakonischen Angebote im Kirchenkreis zu erarbeiten. Nun wurde - kurz vor Ende der Amtszeit - dieses umfangreiche Projekt zu einem erfolgreichen Ende gebracht. Das Ergebnis der Arbeit findet sich jetzt auf der Website des Kirchenkreises wieder.
Abschluss und Dank
Ein augenzwinkernder Rückblick auf die vergangene Zeit gehört fast schon zur Tradition der finalen Sitzungen. Das hallesche „Impro-Theater Kaltstart“ griff noch einmal Themen des Tages auf und ließ diese spielerisch Revue passieren.
Abschließend dankte Karsten Müller dem Präsidium für die geleistete Arbeit.
Bis zur Konstituierung der neuen Synode am 25. April 2025 werden einige Ausschüsse sowie der Kreiskirchenrat weiterarbeiten und die operativen Aufgaben des Kirchenkreises in der bewährten Weise verantworten.
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Bericht des amt.Sup - (18.11.2025 / 74 KB)