Finale Pilgertour durch den Bereich West
Am Ostermontag startete die letzte Pilgerwanderung von Superintendentin Dr. Ute Niethammer durch den Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis. In Anlehnung an die Emmaus-Geschichte - „Auf dem Weg sein. In Kontakt kommen. Die Gegenwart Christi entdecken.“ - führte der viertägige Rundweg vom Gemeindehaus in Halle-Dölau bis zur Petruskirche in Halle-Kröllwitz.
Ostermontag: Geistlicher Aufbruch in Dölau
Den Auftakt bildete ein Familiengottesdienst. Im Lichte der Emmausgeschichte versammelte sich die Dölauer Gemeinde zu Andacht und Osterfest. Bei sonnigem Frühlingswetter machte sich die Superintendentin im Anschluss daran gemeinsam mit ihrem Mann auf den Weg durch die Heide. Vorbei an Hügelgräbern, Denkmälern, Spielplätzen, Evangelischer Grundschule und Uni-Campus führte die erste Etappe bis auf die Peißnitz, wo der Tag im Biergarten des gleichnamigen Hauses sein Ende fand. Wenn auch von der Länge her nicht allzu anspruchsvoll, so lieferte der erste Pilgertag zumindest einen kleinen Vorgeschmack auf die kommenden drei Tage.
Von der geschäftigen Neustadt ins beschauliche Schochwitz
Begegnungen und anspruchsvolle Wegstrecken kennzeichneten den zweiten Tag. Am Projektstandort „Out oft he box“ traf Superintendentin Niethammer auf Mitglieder der neustädter Emmausgemeinde sowie Vertreterinnen und Vertreter anderer Religionsgemeinschaften. In und am Container unweit Neustadt-Centers tauschte sich die geistliche Leiterin des Kirchenkreises zu Glaubensvorstellungen und Perspektiven gemeinsamer Zusammenarbeit aus. „Out oft the box“ war nicht nur Begegnungs- und Gesprächsort sondern markierte zugleich den Startpunkt der Route nach Schochwitz.
Auf der 20 Kilometer langen Wegstrecke luden mit Bennstedt, Köllme und Müllerdorf drei weitere Stationen zu Rast, Besichtigung und Austausch ein. Hans-Georg Mosemann gewährte der Pilgergruppe fachkundig Einblicke in Geschichte und Ausstattung des Gotteshauses. Das Gotteshaus aus dem Jahr 1684 beheimatet mit der dortigen Orgel das letzte in Angriff genommene Werk von Johann Christoph Zuberbier. „Aufgrund eines Herzschlages erlebte der Orgelbauer die Fertigstellung nicht mehr“, weiß Mosemann zu berichten. Seine Ausführungen zu den Verbindungen der Kirche zum Adelsgeschlecht der Biebersteins endet schließlich in der Kirchengruft an den dortigen Prunksarkophagen. Neben der architektonischen Besonderheiten wurde im anschließenden Austausch mit dem Bennstedter Gesprächskreis auch die Bedeutung der Kirche noch einmal ausdrücklich hervorgehoben: „Es braucht solche Räume zum Austausch über den Glauben“ und den Gottesdienst als zentralen Ort, um die Präsenz Christi wahrzunehmen.
Die weiteren Stationen führten über Köllme und Müllerdorf. Dabei zeigte sich eindrücklich die Unterschiedlichkeit der baulichen Situationen in den Gemeinden eines einzigen Pfarrbereiches: beginnend bei sichtbaren Spuren des jahrelangen Stillstandes bis hin zu gut sanierter Kirche. Immer wieder flankiert von unterschiedlichen Begleiterinnen und Begleitern endete der Tag schließlich im Schochwitzer Pfarrhaus.
Die Königsetappe: Weinbau & Filmkulisse
Am dritten Tag führte der Weg durch die nördliche Saale-Unstrut-Weinbauregion. In deren Zentrum befindet sich die größte Kirche des künftigen Gestaltungsraums West. Neben der regionalen Konfirmationsfeier besitzt insbesondere das Winzerfest eine herausragende Rolle im kirchlichen Veranstaltungskalender. „Wir werden hier sehr gut integriert in die Feiern“, berichtet Pfarrer Samuel Hüfken von seinen Erfahrungen.
Entlang der Weinbauhänge und untermalt mit Berichten der Gemeindekirchenräten und Hobbywinzerin Marion Hoheisel führt der Weg zur Kirche Langenbogen. Im dortigen Gotteshaus ist die Verbindung von Weinbau, Musik und Kirche mit allen Sinnen spürbar. Mit seinen Konzerten hat der örtliche Orgelförderverein die an der Straße der Musik gelegene Kirche über die Ortsgrenzen hinaus bekannt gemacht. Schnittstelle zwischen Verein und Gemeinde ist Otto Breitenstein, der die Kirchenleitende durch den Sakralbau führte. Beim gemeinsamen Essen und dem wohl obligatorischen Glas Wein gab es Gesprächsraum für Fachliches als auch Privates.
Weiter ging es anschließend über Köchstedt, dessen kirchlicher Friedhof einst als Filmkulisse für „Schulze get´s blues“ diente, nach Teutschenthal. Neben Begegnungen mit Gemeindemitgliedern wurden auch hier die baulichen Herausforderungen sichtbar. Beim Blick auf abgestürzte Decken und verzogene Türrahmen war es wenig verwunderlich, dass der Wunsch nach Entlastung durch Verkauf nachdrücklich durch die örtlichen Akteure bekräftigt wurde. Der Tag endete schließlich mit einer letzten Station in Eisdorf, wo die Pilgergruppe zum Abschluss mit Glockengeläut begrüßt wurde. Eine kleine Kaffeetafel lud am Fuße des Altars ein letztes Mal zum Tischgespräch. Eine Fotoleinwand in Originalgröße zeugte davon, dass sich einstmals hier ein prächtiger Aufsatz über dem Tisch befand. Dieser, so war zu hören, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts entfernt und in das Bode-Museum in Berlin verbracht, wo er noch heute zu sehen ist.
Ankommen
Der letzte Tag begann mit Begegnungen in Passendorf und führte weiter durch die Auenlandschaft entlang der Saale. In Begleitung des ehemaligen Pfarrers Martin Eichner erreicht Dr. Niethammer die Kindertagesstätte St. Georgen, wo sie von Kita-Leiterin Jugel und Stefan Trautwein vom Zweckverband familienunterstützender Einrichtungen persönlich begrüßt wurde. Und während sich die Kinder der Einrichtung zu Tisch begaben, machte sich die kleine Pilgergruppe auf zu ihrem letzten Wegstück der Saale folgend bis hinauf zur Petruskirche in Halle-Kröllwitz
Dr. Ute Niethammer gewann auf ihrer Pilgerwanderung einen kleinen Einblick in die Vielfalt des kirchlichen Lebens im Kirchenkreis. Begegnungen, Gespräche und nicht zuletzt der gemeinsame Weg waren eine prägende Erfahrung – ganz im Sinne der Emmausgeschichte.