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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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Wort zum Tag, 30.03.2021

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Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.

 

Offenbarung  3,20

 

Wir haben in unserer alten Gemeinde in Lettin über viele Jahre mit Erwachsenen Krippenspiele eingeübt und sie spät nachts, am Weihnachtsabend, aufgeführt. Die Spannung war oftmals schon auf dem Höhepunkt, als Maria und Josef vor der Herberge standen und der Wirt mit tiefer Stimme sprach: „Kein Platz in der Herberge!“ Die Legende von der Herbergssuche ist sicher nicht nur ein dramaturgischer Trick der Evangelienschreiber, sondern nimmt ein zentrales Thema voraus, dass den erwachsenen Jesus sein Leben lang begleiten wird Die junge Familie auf der Flucht nach Ägypten war auf Unterkünfte angewiesen. Später war Jesus oft bei Menschen zu Gast, so als Wanderprediger ohne festen Wohnsitz. Er hat sich gern eingeladen  und war vermutlich ein unkomplizierter Gast, hatte kaum Berührungsängste. Es wurde gefeiert, Wasser zu Wein gemacht, wenn noch mehr Gäste kamen und der Abend mal wieder lang wurde. Er war auch selbst ein guter Gastgeber für die Menschen, die sich schwach und krank fühlten, die sich nach Freundlichkeit und einer Umarmung sehnten. Menschen, die Zuwendung und Trost so nötig hatten. Menschen, die diskutieren und nachdenken wollten. Die Menschen, die ihn aufnahmen, ihm eine Herberge gaben. Und die Menschen, denen er nahe kam, fühlten sich danach reich beschenkt. Logis und Kost unbezahlbar.

Wenn ich jetzt ein neues Krippenspiel schreiben würde, müsste der Herbergswirt sagen: „Beherbergungsverbot, laut Infektionsschutzgesetz“. „Nur ein Hausstand plus eine fremde Person“ - Und das jetzt schon so lange Zeit.

Was macht das mit den Menschen, die ihre Herberge zum wirtschaftlichen Leben benötigen? Wir lesen es in der Zeitung. Wir steuern auf einen „wirtschaftlichen Totalschaden“ zu, sagt der Chef der Dehoga Sachsen-Anhalt.

Was macht es mit den Menschen, die so dringend ein Dach über dem Kopf suchen, eine Zeltplane im Winter, einen Ferienort, um endlich mal auszuspannen, mit einem Freundeskreis, der fröhlich unbeschwert Geburtstag feiern möchte, einer Abschiedshalle, wo nicht  jeder kommen kann, der sich verabschieden will? Der Verlust unserer Möglichkeit und unserer Fähigkeit, für andere eine Herberge zu sein, ist auf Dauer unser aller seelischer Totalschaden. Wir Menschen haben bis jetzt nur überlebt, weil wir immer wieder eingelassen wurden und den Anderen beherbergt haben.                                                             Wir dürfen nicht vergessen und können darauf vertrauen, dass derjenige, der mich aufnimmt, nicht nur Angst haben muss, dass er erkrankt und ich, dass ich ihn möglicherweise in Gefahr bringe. Wir werden erfahren, dass er und ich als Gast uns dadurch nicht nur erfreut, sondern gesegnet fühlen werden. Die Geschichten von Jesus sind voll von diesen Begegnungen, die beglücken, befreien und geheilt haben. Ich bin mir sicher, dass die Menschen sich nach so einer Begegnung mit einem deutlich gestärkten Immunsystem voneinander verabschieden.

Wenn es heute bei Ihnen anklopft, dann steht Jesus vor der Tür. Beachten sie die AHA-L Regel und bitten Sie ihn herein.  Auch wenn er sagt, er hat auch noch seinen Vater mitgebracht und seine Schwester, die heilige Geist*in. Zum Glück sind das ja alle nur eine Person, die sie getrost in Ihren Hausstand lassen dürfen.

Gebet:                                                                                                                                           Beherbergender Gott! Gib mir den Mut und die Zuversicht, Jesus in mein Leben einzulassen. Lass‘ mich nicht vergessen, wie dringend wir die Nähe von Menschen an unserem Tisch brauchen. Wie sehr wir uns nach der Gastfreundschaft unserer Familie, den Enkeln und Freunden sehnen. Gib uns die Kraft, die verschlossenen Türen und den Abstand auszuhalten, bis es wieder klopft.

Lied: EG Nr.: 1  „Mach hoch die Tür“  (so viele Strophen, wie Sie mögen)

                                                                   (auch wenn es bald Ostern ist)

Kleine Achtsamkeitsübung:

Wenn Sie heute Abend oder morgen früh den Tisch decken, stellen Sie doch zusätzlich ein Gedeck dazu. Vielleicht mit einer Serviette oder kleinen Blume geschmückt. Horchen Sie in sich hinein, was das mit Ihnen macht.

Ihr Horst Bartsch (Heilandsgemeinde)

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