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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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Veröffentlichungen der Gemeinden

Wort für den Tag: 4. Februar 2021

2. Petrus 1,16ff

16 Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. 17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. 18 Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. 19 Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. (2. Petrus 1,16-19)

Liebe Leserinnen und Leser,

Christlicher Glaube bewährt sich und bewahrt. Menschen geben Zeugnis, genau so wie es oben im 2. Petrusbrief geschrieben steht. Das Stück, das uns für den letzten Sonntag als Predigttext vorliegt, gibt Zeugnis vom Licht des Lebens und der Liebe Gottes. Es wird die Verklärung aus den Evangelien zitiert. Und es kommt dieses Bild, diese Ermutigung in Vers 19: „Ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“ 

Einer, dessen Musik ich beim Schreiben dieser Zeilen höre, ist der Australier Nick Cave. Ich höre sein Album Ghosteen aus dem Jahr 2019. Er verarbeitet darin (einmal mehr) den Tod seines Sohnes Arthur, der im Alter von 15 Jahren starb. Die eine Hälfte des Albums ist dem Kind und den Kindern gewidmet, die zweite Hälfte der Sicht der Erwachsen. Im zweiten Lied „Bright horses“ wird erzählt von hellen Pferden der Liebe, deren Mähnen voller Feuer sind. Eine Szenerie voller Wunder und Kraft wird entworfen. Abenteuerlich.

„Bright Horses“ erzählt davon, dass ein jeder ein Herz hat, das nach etwas ruft. Es gibt zwei Sichten: die eine, voller Wunder, Licht und Liebe. In dieser Welt gibt es Verbundenheit – auch zu dem verstorbenen Kind. Und dann ist da die andere Sicht, die andere Perspektive. In der zweiten Strophe des Liedes heißt es (übersetzt aus dem Englischen von mir): „Wir sind krank und müde, die Dinge so zu sehen wie sie sind: Pferde sind nur Pferde und ihre Mähnen sind nicht voller Feuer. Wiesen sind nur Wiesen und es gibt keinen Gott. Und alle verstecken sich und alle sind grausam. Und es hat keinen Mangel an Tyrannen und an Täuschung.“

In der dritten Strophe rettet sich dann der Sänger wieder in eine andere Wahrnehmung, eine Wahrnehmung der Hoffnung. Und die Musik unterstützt das. Es wird Licht, es wird hell. Es gibt Poesie, eine Poesie des Schmerzes, die die Dunkelheit der Verzweiflung kennt, sie durchlebt und durchbricht, um dann von der Hoffnung auf Licht zu singen.

Die drei Jünger, die mit Jesus auf den Berg gegangen waren, haben das Licht gesehen, die Stimme gehört. Später haben sie Jesus trotz dieser Erfahrung verraten. Auch nur Menschen! So wie Du und ich. Wir tragen und ertragen die Finsternis einer Welt, die selten existentiell nach Gott fragt. Erfahren wir aber, dass Gott da ist, sein Licht scheint, dann kann es sein, dass mit diesem Licht die Dunkelheit umso deutlicher wird.

Lasst uns nicht stehen bleiben und verzweifeln! Lasst uns das Licht wahrnehmen, das da scheint an dunklem Ort – auch auf die Gefahr hin, dass wir die Dunkelheit erst einmal umso mehr wahrnehmen. Das kann erschrecken und Angst machen.

Allmählich aber wird es hell. Der Morgenstern geht auf – nicht äußerlich, sondern in unseren Herzen. Noch ist der neue Tag nicht da. Bekanntlich ist gerade die Zeit am Ende der Nacht und kurz vor dem neuen Tag die kälteste. Der neue Morgen aber kommt unaufhaltsam.

Der neue Morgen kommt. Dunkel sind die Tage gerade trotzdem oft. Auch da gibt es Hoffnung: Der Frühling kommt. Hier und da strecken die ersten Schneeglöckchen die Köpfe zaghaft aus dem Boden.

Es gibt Zeichen der Hoffnung in unserem Leben. Lasst sie uns sehen – und lernen. Das Dunkel unserer Angst – vor Krankheit und vor Tod – kann das Licht des neuen Morgens, des neuen Lebens, nicht aufhalten. „I am beside you“ – immer wieder singt Nick Cave diese Worte: „Ich bin bei Dir.“ Am Ende ist das die Stimme, die uns führt. Es ist Gottes Stimme, hörbar in unserer Welt, dort, wo Hilfe und Geleit angeboten wird.

Und sei es auch der letzte Weg, den wir gehen werden, an dunklem Ort, selbst in Todesnacht geht der Morgenstern auf, neues Leben verheißend. Ein Leben bei und mit Gott. Geborgen und erwacht zu ewigem Leben, ewiger Liebe werden wir Gott loben und preisen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen

Gebet:

O Friede, der nun alles füllet,

erfüll auch uns mit süßer Ruh,

und bis ein Tag sich neu enthüllet,

deck uns mit trauten Träumen zu.

Wie manches, was des Tages Wille

mit rechter Klarheit nicht ergreift,

dem hilf, daß es in deiner Stille

zu freundlicher Vollendung reift!

Wen Schicksalsschläge grausam trafen,

den laß vergessen, was geschehn;

wer neid- und haßerfüllt entschlafen,

den lass versöhnt den Morgen sehn!

So allem, dem gleich uns auf Erden,

zuteil des Lebens schwankes Los,

laß deines Segens Tiefe werden,

gib Kraft aus deinem heil’gen Schoß.

(Christian Morgenstern)

 

Martin Schmelzer

Pressefoto Kirche St Briccius Trotha

Pressefoto Kirche St Briccius Trotha

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