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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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Wort für den Tag: 20. März 2021

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Die Unzufriedenheit wächst. Dieses Durcheinander, dass zuerst die Kinder wieder in die Schule gehen, dann aber zu spät die Schnelltests kommen! Und die Ansteckungszahlen wachsen. Diese Ungeduld, dass im Frühling nun endlich sich alle Türen wieder öffnen sollen, und das ungeordnete „Hüh“ und „Hott“ der Maßnahmen wird kaum zum Erfolg führen – und die Ansteckungszahlen wachsen. Wie soll der steigende Pegel der Unzufriedenheit, der Ungeduld, der Verluste und Verärgerungen wieder fallen?

Die Losung der Brüdergemeine für den Tag: Und Gideon sprach zu dem Engel: „Ach, Herr, ist wirklich der Ewige bei uns, warum hat uns dann das alles getroffen?“ (Richter 6, 13)

Noch weiß Gideon nicht, dass ein Engel Gottes vor ihm steht. Er hört nur, dass der Fremde mit einer so großen Zuversicht zu ihm spricht, wie sie ihm längst verloren gegangen ist. Denn es gibt gerade keine Aussicht auf Besserung. Kaum fängt das Korn auf den Feldern an zu wachsen, kommen bewaffnete Heerscharen von Hirten aus der Nachbarschaft, und ihre Tiere fressen alles ab. Was vielleicht doch heranreifen konnte, wird gestohlen, das Vieh von den Weiden wird geraubt. Alles Essbare muss gut versteckt werden, sonst ist es weg. Was ist das noch für ein Leben? Aber der Fremde, der zu Gideon gekommen ist, spricht davon, dass Gott sein Volk rettet und aus dieser unerträglichen Lage befreit. Wie kann er so etwas sagen, wenn die Lage doch aussichtslos ist! Gideons Klage beginnt, als der Bote Gottes schon da ist. Die Hilfe ist schon da, freilich unerkannt. Jetzt findet Gideon endlich Worte für die tiefe Enttäuschung und Verzweiflung. Dabei haben sich die Bewohner des Landes untereinander schon oft mit bitteren Worten beklagt. Aber niemand war da, niemand fand sich, der etwas ändern konnte. Jeder kämpfte für sich ums Überleben. Nun findet Gideon bei dem Fremden Gehör – und beklagt sich über die Abwesenheit Gottes.

So etwas kommt in meinen Gebeten gar nicht vor. Ich wage es nicht, mich über die Abwesenheit Gottes zu beschweren. Ob das ein Fehler ist? Wäre es nicht besser, sich zu beklagen, dass Gott abwesend ist in den zu zögerlichen Entscheidungen der Regierenden? In ihrer Politik nach Gefälligkeit gegenüber dem einen oder anderen statt nach Vernunft und Notwendigkeit? Wäre es nicht besser, sich bei Gott über Gott zu beschweren, dass ich nicht verstehe, was er uns aufbürdet mit dieser Pandemie, welchen Sinn das haben soll und zu welchem Ende das führen soll? Und wieso dabei auch noch die ohnehin schon Geschlagenen noch mehr geschlagen werden, und die Unbelehrbaren doch nichts dazulernen?

Gideon findet Worte der Klage über Gott, als der Bote Gottes vor ihm steht. Es dauert eine Weile, bis er bereit ist, die Botschaft von der Rettung nicht nur zu hören, sondern ihr auch zu vertrauen. Dann kommt sogar noch eine schwere Aufgabe auf ihn zu: Er, Gideon, soll die Rettung durch Gott in die Tat umsetzen.

Ein Gideon ist gerade nicht in Sicht. Unsere Lage wird sich nicht schnell in neues Glück auflösen. Der hohe Pegel von Verdruss und Verzweiflung wird so schnell nicht sinken. Aber in mein Gespräch mit Gott gehört die Klage hinein. In unser gemeinsames Nachdenken über diese Zeit gehören die Klage über Gottes Abwesenheit und das Erstaunen über seine Anwesenheit hinein. Wer sich verlassen fühlt, muss es sagen und nicht verschweigen. Und wer eine Erkenntnis von Gottes Anwesenheit hat, muss davon erzählen. Wer Kraft zum Helfen hat, soll sie auch einsetzen. Und Rettung wird kommen. Gottes Boten sind längst anwesend, mitten unter uns. Wir wissen eigentlich schon, dass es viele sind. Ob es am Mut fehlt, sie als Boten Gottes zu sehen und anzuerkennen?

Jetzt freue ich mich darauf, wieder mit anderen gemeinsam im Gottesdienst zu sein. Nicht weil dann schon alles gut wäre. Nicht weil dann die Antworten klar sind. Aber weil wir dann gemeinsam fragen und klagen, hören und staunen – und uns gegenseitig versichern, dass Gott rettet und befreit. Ohne feste Erwartung, wie das geschehen wird, aber mit erneuerter Zuversicht.

Lied und Gebet: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“, EG 382/ GL 422, Str. 3:

Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht  Martin Herzfeld.

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