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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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Wort für den 19.02.2021

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In den letzten Tagen hatten wir die für Halle seltene Gelegenheit zu ausgiebigen Winterfreuden. Na klar, auch der Unbill war dabei über rutschige Wege und nicht geräumte Straßen. Aber eben auch die kleinen Höhepunkte, die der Schnee so mit sich bringt: rodelnde Kleine und Große am Paulusberg, Langläuferinnen am Saaleufer und Spaziergänger mit und ohne Tee in der Hand im ganzen Stadtgebiet. Und es gab auch die kleinen Freuden der Natur, etwa die Flocken so leicht wie Federflaum, die Schneekappe überm Vogelhaus und die Eiszapfen in allen Varianten. Wie sich diese Eiszapfen bilden, konnte ich an meinem Fenster beobachten: Der erste Tropfen vereist, ein nächster rollt am vorhergehenden hinunter, weitere folgen. Bis zur Spitze rollen sie vor – die Tropfen – und lassen so den Zapfen wachsen.

Der Zapfen ist mir ein Sinnbild für einige Gedanken heute. Ich glaube, es ist mit unserem Gefühls-leben manchmal wie bei der Entstehung von Zapfen: Eine schlechte Erfahrung kommt zur näch-sten, eine Hiobsbotschaft folgt der anderen, eine Negativmeldung in der Presse jagt die vorherge-hende. Und schwupps, haben sie sich zu einem Zapfen des Ärgers und der Wut geformt. Ähnlich kann es in Beziehungen zu anderen sein: Der, den ich doch liebe, oder die, mit der ich eng be-freundet bin, tun mal etwas, was mir nicht in den Kram passt; ein ähnliches Erlebnis kommt hinzu, vielleicht das Wort eines Dritten; und mein eigenes Kopfkino tut sein Übriges. Und im Handumdre-hen ist aus der guten, fröhlichen, leichten Beziehung und aus meiner zuversichtlichen Haltung zum Leben ein verkrampftes und verhärtetes Etwas geworden – ein Eiszapfen vielleicht. Und dann stehe ich da, blicke ihn an und verstehe gar nicht, wie er entstehen konnte. Aber der Eiszapfen ist unter Umständen so dick und manifest, dass er sich nicht leicht entfernen lässt. Denke ich.

Vielleicht haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht, standen da und wussten nicht, wie weiter. Wie sich diesen Eiszapfen aus Ärger, Wut, Missverständnissen, Trauer, Enttäuschung nähern? Ich habe immer wieder den Eindruck gewonnen, wenn ich Derartiges erlebt habe, dass ich meine eigenen Verhärtungen nur überwinden kann, indem ich mich weich und offen halte. Klar, das geht nicht immer. Erstmal muss ich durch sehr viel Gefühlschaos hindurch. Und klar, ich mache mich damit verletzlich und angreifbar. Aber letztlich ist es das mir einzig Mögliche, wenn ich lebendig bleiben und nicht zum Eiszapfen werden will: Weich und offen bleiben.

Und wie das Sonnenlicht in dieser Woche die Zapfen anfängt zu schmelzen, so kann nach und nach die bewusst offene Haltung uns selber dazu bringen, das, was uns starr macht, aufzuweichen. Das geht nicht sofort und das geht nicht schnell. Es verlangt uns einiges an Übung ab. Aber so wie die Sonne beharrlich am Eis leckt, so beharrlich können wir dran bleiben – daran, warm und offen zu bleiben für das, was kommt.  Vielleicht fängt es mit dem Impuls an, den ich mir aus einem unserer Gottesdienste Anfang 2020 aufgehoben habe: „Sieh umher, sieh dich um und in dich hinein, ob du ein Licht siehst und es selber nicht verdunkelst; ein Licht, das dich erleuchtet und alles erhellt, was der Hoffnung dient.“

Nach einem langen Winter – mit dunklen Tagen, Schneefreuden, Einschränkungen und Rückzug in die eigene häusliche Höhle – wächst die Sehnsucht nach dem Frühling, nach Wärme und Licht. Ich möchte mich auf den Weg machen mit dieser Sehnsucht – hinaus ins Leben. Sie auch?

Lied von Janne Mark, dt. Lothar Veit:

Erneut berührst, bewegst du mich, ein Wort von dir, dein Geist in mir,

dein Trost in jedem Klagelied bringt Licht in meine Tage.

Du gibst uns Mut, wir gehen los, du machst uns leicht auf Erden,

wir sind von dir, du bist in uns, in unserm Sein und Werden.

Gebet:

Guter Gott, du Freundin des Lebens, hier stehen wir zu Beginn dieser Fastenzeit, am Ende eines Winters, mit unseren Blessuren, mit unserem vielleicht von Dunkelheit getrübten Blick. Und dann kommst du, wärmst uns und lädst ein zu dieser Wärme. Hilf uns, unser eigenes Ja dazu immer wieder und immer weiter zu entwickeln. Gib uns die Kraft für das Offene und Erwartungsfrohe. Amen

Tipp für den Tag

Und heute? Das Land ist hell und weit. An einem Freitag? An einem All-Tag?  So kurz nach Aschermittwoch? Machen Sie sich bewusst auf die Suche danach, wo Leben wächst: im Vorgarten die Schneeglöckchen (wie haben sie den Frost überstanden?), auf den Bäumen die Meisen (wie schaffen die das, so zu zwitschern?), in der Begegnung mit einem Menschen (wie kann ich die Eiszapfen abtauen?). Viel Freude dabei wünscht Dorothee Fuchs (Evangelische Paulusgemeinde)

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