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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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Veröffentlichungen der Gemeinden

Hausandacht am Karfreitag, 2. April 2021

Wir freuen uns, dass diese Hausandacht den Weg zu Ihnen gefunden hat. Gönnen Sie sich einen Moment Ruhe. Nehmen Sie sich Zeit für diesen geistlichen Impuls. Wenn Sie mögen, sprechen Sie die Gebete laut, und wenn Sie das Lied kennen, singen Sie es. Zünden Sie zu Beginn eine Kerze an.

Eröffnung
Im Namen Gottes, des Schöpfers der Welt. Im Namen Jesu Christi, unseres Herrn und Bruders. Im Namen des Heiligen Geistes, Gottes Kraft in uns. Amen.

Psalmgebet (aus Psalm 22)
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!         Altarkreuz in der Pauluskirche

Biblische Lesung (Lukas 23, 33-49):
Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Lin-ken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen! Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.
Löschen Sie nun, als Zeichen der Trauer, Ihre Kerze und spüren Sie einen Moment schweigend nach.

Auslegung
Der Karfreitag ist der schwärzeste Tag im Jahr. In den Kirchen hängen schwarze Paramente an Kanzel und Altar, und die Kerzen wurden gelöscht. Auch der Name des Tages macht das deutlich: „Kar“ oder „kara“ kommt aus dem Mittel- und Althochdeutschen und heißt „Sorge“, „Klage“, „Wehgeschrei“.
Dazu gehört die niederschmetternde Geschichte von der Kreuzigung Jesu. Ein Unschuldiger wird hingerichtet. Sein Verbrechen: Er hat Menschen an-genommen und in leuchtenden Farben von der Liebe Gottes gesprochen. Doch das wollten sie nicht: Einen, der die Liebe über alles stellt. Der Menschen stark macht und ihnen die Angst nimmt. Dem Macht und Hierarchien nichts bedeuten und Geld und Gewinn schon garnicht.
Und dieser Tag des Wehgeschreis hat auch heute sein Recht. Meine Sorgen, meine Klage, was in mir und um mich herum schwarz ist, gehört auch hierher: Die Unschuldigen in Myanmar und Belarus, in Russland, China und in der Türkei, die einfach nur das Selbstverständliche einfordern – sie kommen ins Gefängnis und in Straflager und werden auf der Straße niedergeschossen. Klage und Anklage!
Die ökologische Situation unseres Planeten, und so wenig wird getan: die sterbenden Wälder, die aussterbenden Arten, die vermüllten Meere, das entgleisende Klima. Wehgeschrei!
Corona und kein Ende, manche halten es kaum noch aus. Die Distanz, die Isolation, die zerstörten beruflichen Existenzen. Wie soll es weitergehen? Sorge!
Und der persönliche Kummer: Manche hadern mit sich selbst. Sind unzufrieden mit ihrem Leben. Sind in eine Sackgasse geraten. Werden aufgefressen von dem, was schwarz ist in ihnen. Wehgeschrei!
Und doch gibt es Hoffnungsspuren in der Passionsgeschichte. Kleine Lichtpunkte. Kleine Samenkörner, aus denen etwas wachsen könnte: Da wird Jesus verhaftet im Garten Gethsemane. Wenig vorher, im 22. Kapitel, wird das berichtet. Judas verrät ihn mit dem Bruderkuss, und eine waffenstrotzende Übermacht nimmt den Wehrlosen fest. Doch was tut er in dieser Welt voller Verrat und Gewalt? Er setzt Gewaltlosigkeit dagegen. Gebietet den Jüngern Einhalt, die für ihn kämpfen wollen. Heilt sogar das Ohr des Soldaten, der verletzt wird. Das ist ein Lichtblick in dieser Finsternis und zeigt, wie es auch zugehen könnte unter uns. Wie Menschlichkeit und Heilung eine Chance bekommen.
Da wird Jesus an Kreuz geschlagen, seinen qualvollen Tod vor Augen. Er sieht den Hass und die Verblendung derer, die ihm das Leben nehmen. Und seine Antwort? Er verflucht sie nicht und schreit sie nicht an in ohnmächtigem Zorn. Er verzeiht und bittet Gott um Verzeihung für seine Mörder. So unterbricht er die Kette aus Hass und Schuld und noch mehr Hass und setzt einmal mehr die Liebe dagegen. Und zeigt, wie man Kriege verhindert, noch bevor sie entstehen. Wie zerstrittene Familien und verletzte Beziehungen eine Chance haben könnten. Was die Kraft der Versöhnung tatsächlich vermag.
Und es verwandelt sich wirklich etwas. Einer der beiden Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt werden, ändert sich noch in den letzten Minuten seines Lebens. Und das ist entscheidend für ihn.
Und der römische Hauptmann, der die Kreuzigung leiten musste, ist ergriffen vom Gottvertrauen des sterbenden Jesus. „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“, sagt er. „Deiner Liebe vertraue ich mich an, auch jetzt.“ Das erschüttert den abgebrühten Mann. Er ist nicht mehr derselbe wie vorher. – Hoffnungsspuren, Lichtspuren an diesem schwarzen Tag. Es kann sich etwas zum Guten wenden, noch immer.
Wenn das so ist, dann können wir Ausschau halten. Vielleicht gibt es solche Lichtspuren nicht nur in der Passionsgeschichte der Evangelien. Vielleicht sind Sie auch in meinem Dunkel zu finden und im Dunkel der Welt. Halten wir also die Augen offen, auch heute!
Schwer bleibt dieser Tag trotzdem. Er muss ertragen werden, muss durchgehalten werden. Schönfärben und fliehen ist keine Option. Denn Jesus ist ja gestorben, trotz seiner Menschenfreundlichkeit und Liebe bis zum letzten Atemzug. Und vieles ist kaum zu ertragen in der Welt, in der wir leben. Und die rosa Brille des Verdrängens hilft mir nicht weiter bei dem, was mich bedrückt. Heute nehme ich diese Erkenntnis an.
Halten wir diesen schweren Tag aus, so wie die Frauen ausgehalten haben unter Jesu Kreuz. Und denken wir zugleich an die Lichtpunkte, die selbst in der Passionsgeschichte zu finden sind. Sie weisen vorsichtig darauf hin, dass nichts bleiben muss, wie es ist. Amen.

Gebet & Vaterunser
In Deine Hände, Vater, befehle ich meinen Geist.
In Deine Hände befehle ich meine Angst, die oft so groß ist.
In Deine Hände befehle ich mein Versagen, das mich quält.
In Deine Hände befehle ich meine Resignation.
In Deine Hände befehle ich meine Trauer darüber, allein zu sein.
In Deine Hände befehle ich meine Schuld an anderen Menschen.
In Deine Hände befehle ich alle, die auch heute zu Opfern werden.
In Deine Hände befehle ich meine Gaben, damit Du sie segnest.
In Deine Hände, Vater, befehle ich meinen Geist.

Lied „Holz auf Jesu Schulter“ (EG 97/ GL 291)

Segen
Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Tag-Werk
Was ist dunkel in Ihnen? Schreiben Sie es auf. Und dann vertrauen Sie es Gott an. Oder einem anderen Menschen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ihre Kerze dürfen Sie dafür wieder anzünden, denn Gott ist bei Ihnen.

Eine stillen und friedvollen Karfreitag wünsche ich Ihnen,
Ihr Pfarrer Christoph Eichert (Paulusgemeinde)

 

Pressefoto Pauluskirche

Pressefoto Pauluskirche

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