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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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Geistliche Impulse

'Blaue Zeichen' - Gastbeitrag des Superintendenten Hans-Jürgen Kant in der Mitteldeutschen Zeitung zum Himmelfahrtstag

Die Ampel leuchtet blau! Nicht grün, nicht gelb und auch nicht rot. Doch was soll man tun, wenn alle Lichter Blau zeigen? So fragt Gerhard Schöne in einem Lied. Soll man gehen? Soll man stehenbleiben, losfahren oder warten? Dieses Blau ist schöner als der Himmel über der Stadt. Wie die Tinte des Dichters für ein Frühlingsgedicht sieht es aus. Wie ein Kirchenglasfenster, das die Sonne erleuchtet.
Die Leute sind verwirrt. Sie schimpfen auf das Straßenverkehrsamt, die Regierung, die Europäische Union, überhaupt auf diese Welt. Sie rufen nach der Polizei, damit die Ordnung endlich wiederhergestellt wird. Schließlich kommt jemand und stellt der Ampel den Strom ab.
Und die Ampel? Sie denkt, während sie erlischt: „Ach, ihr Armen, sicher hat euch niemand gesagt, dass die Straße jetzt frei ist in den Himmel. Wenn du willst, flieg los! Falls dir der Mut nicht fehlt.“

40 Tage nach Ostern feiern Christen die Himmelfahrt von Jesus Christus. Die Bibel erzählt darüber: Der vom Tod Auferstandene zeigte sich immer wieder seinen Jüngern. Bis zu jenem Tag, als er mit ihnen auf einen Berg stieg und vor ihren Augen in den Himmel gehoben wurde.
Ist er nun fort? Unerreichbar für uns, in einem Raum hinter einer verschlossenen Tür? Manchmal könnte es mir so vorkommen. Wir bleiben hilflos davor: Mit unseren Enttäuschungen, mit unserer Unmöglichkeit, Gerechtigkeit in der Welt zu schaffen. Mit meiner Erdenschwere, die mich an Zeit und Raum fesselt.

„Der halboffene Himmel gibt uns Hoffnung“, heißt ein Bild des spanischen Künstlers Joan Miró, das er vor sechzig Jahren gemalt hat. Vor wenigen Tagen standen meine Frau und ich in Barcelona vor diesem Gemälde. Tatsächlich: Der Horizont schließt sich nicht, er bleibt offen. Er war für den Maler nie eine unüberwindbare Grenze, lerne ich hier im Museum.

Der Himmel ist offen, zumindest halboffen. Die Ampel zeigt heute auf Blau. Ich kann mich inspirieren lassen von der Fantasie, von den Träumen von einer Welt, die noch aussteht. Wir feiern Gottesdienst - wenn der Regen endlich aufhört vielleicht im Freien. Ich lache und bin fröhlich; ich vertraue darauf, dass ich auch mitten in meiner Traurigkeit getröstet werden und neue Hoffnung finden kann. Mutig hole ich Schwung.

(Hans-Jürgen Kant)
 

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