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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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Geistliche Impulse

So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. (Lukas 15, Kapitel 10) - Conrad Krannich, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie (10-11/2017)

Ist diese Freude nicht ansteckend? Eine Witwe verliert einen ganzen Tageslohn. Sie zündet ein Licht an und durchkämmt ihre ganze Wohnung sorgfältig. Es gibt keine Ecke, in der sie nicht sucht, solange, bis sie den Silbergroschen findet. Und dann ruft sie ihre Freunde und Nachbarinnen, um ihr Glück zu teilen. Ich habe gefunden, was ich verloren hatte, spricht sie. Du Glückliche, rufe ich ihr zu, glücklich und gerührt, deine Freude steckt mich an.

Lukas schreibt so häufig von der Freude wie kein anderer Evangelist. Der Freuden-Botschaft Jesu folgt er von Jerusalem über Judäa und ganz Samaria bis an die Enden der Erde. Gleich drei Geschichten hintereinander erzählt Lukas über die Freude, das wiederzufinden, was für immer verloren schien: Ein Hirte findet sein verirrtes Schaf. Ein Vater empfängt seinen Sohn, den der Wunsch nach Großem hinaus und in den Abgrund trieb. Die bedürftige Witwe findet das kostbare Geldstück. Welch unverhofftes Wiedersehen, Wiederfinden. Unverhofft und mit dem Zauber einer Erstbegegnung. Genauso, schreibt Lukas, wird die Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Das tut gut, das macht mir Mut. Wie oft halten mich vorauseilende Scham und Angst davon ab, den naheliegenden Satz über die Lippen zu bringen: Es tut mir leid. Eigentlich tragisch, oder? Der erwartete Ärger, ist ja meist nur mein Film und der andere froh, mich wiederzuhaben. Ein Glück, dass es Menschen gibt, die den Kontakt nicht so leicht abreißen lassen. Schweigen nehmen sie nur eine Zeit lang hin, Nähe vergessen sie nicht so schnell. Beharrlich suchen sie weiter, bis sie mich wiederhaben.

Die Wahl ist nun vorbei und mit ihr ein gefühlt drei Jahre währender Wahlkampf, der unsere Gesellschaft, unsere Gemeinden, unsere Familien, auch mich selbst gespalten hat. Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit, öfter mal wieder die Wahrheit zu wagen: Es tut mir leid. Zeit, wieder aufeinander zuzugehen, einander zu suchen, sich finden zu lassen.

Conrad Krannich
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Seminar für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie

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