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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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01.06.2017

Wir vermissen Berlin nicht! - (M)ein ganz persönlicher Rückblick auf den Kirchentag

Impressionen vom Kirchentag auf dem Weg Halle/Eisleben

„Wir vermissen Berlin überhaupt nicht.“ Dieser Satz eines Ehepaares aus Kassel geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Man kann wohl kein größeres Lob ernten. Sowohl als Hallenser, als auch als Teil der Gemeinschaft des Kirchentages auf dem Weg Halle/Eisleben (KadW), erfüllte es mich mit Freude, dass es uns gelungen ist, eine Atmosphäre zu schaffen, die den großen Kirchentag in der Bundeshauptstadt vergessen ließ. Die zwei Jahre der Vorbereitung und des intensiven Werbens haben sich also gelohnt.

Wie alles begann

Ich kann mich noch genau erinnern, wie vor mehr als drei Jahren der damalige Propst Siegfried Kasparick am Tisch des Kreiskirchenrates saß und die Idee des KadW vorstellte. 20.000 Menschen sollen das Ereignis in der Region erleben, so die Prognose des Kirchenleitenden. Kann das klappen? Zugegeben, die Zweifel waren groß. Daher schrumpften die Erwartungen auch recht schnell auf 5.000 Gäste, die den KadW am Himmelfahrtswochenende 2017 besuchen könnten.

Fast ein Jahr später war es dann soweit. Mit einem Ideentag in den Franckeschen Stiftungen nahm der Kirchentagszug so langsam Fahrt auf. Gleich einer Bahnfahrt, gab es alles, was man sich so vorstellen kann. Verspätungen (Pressevorführung von „luthERleuchtet“) und tote Gleise (z.B. „i,Slam“), Umleitungen (von Rocklegenden zu Gospelnachwuchs), schwierige Gäste (Transparent zum Finale des Bibelmarathons), Hochgeschwindigkeitszüge (Thomas-Kaufmann-Vortrag in L. Eisleben) und Bummelbahnen (Gospelworkshop).

Glücklicher Weise gab es auch immer ein „Zugpersonal“, das das Ziel stets im Blick behielt. Waren es am Anfang einige wenige, sollten diese letztlich auf mehrere hunderte anschwellen. Sie alle sorgten dafür, dass der Kirchentagszug pünktlich sein Ziel erreichte.

Was für ein Start

Am Ende gab es dann wahrlich einen großen Bahnhof. Bereits am frühen Nachmittag und noch vor der eigentlichen Eröffnung füllten „Luther. Das Kantatenprojekt.“ sowie das anschließende Willkommenscafé unserer Gemeinden die Westseite des Marktplatzes. Und wer die Mühen auf sich nahm und die Hausmannstürme der Marktkirchen erklomm, konnte aus der Vogelperspektive ein von Menschen umwimmeltes „HALLELUJA“ aus Bierzeltgarnituren sehen.

Doch das alles war nichts im Vergleich dazu, was noch kommen sollte. Der ökumenische Gottesdienst, mit dem Bischof von Leeds Nick Baines als Prediger, sorgte für Gänsehaut. Obwohl sich ca. 3.000 Menschen auf dem Platz versammelt hatten, konnte man die berühmte Stecknadel fallen hören. Selbst das sonst omnipräsente Quietschen der Straßenbahnen schien verschwunden zu sein und der sonst quirlige Marktplatz wurde zu einem Ort des Innehaltens und der Ruhe. Auch wenn der Großteil des KadW noch vor uns lag, nie war der Kirchentag so intensiv wie in diesem Moment!

Zu allen diesen Veranstaltungsformaten inkl. des abschließenden Willkommensfestes „Kultur in den Höfen“ wurden bereits am ersten Tag insgesamt 5.000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Ein Hof, das neue theater, musste sogar wegen Überfüllung geschlossen werden.

Zurück auf dem Boden

In Erwartung weiterer Superlative, sorgte der kommende Tag (glücklicher Weise) für Ernüchterung. Insbesondere das thematische Programm schwankte stark in den Besucherzahlen. War man im Stadthaus und Diakoniewerk grundsätzlich zufrieden mit der Resonanz, hatten andere Veranstaltungen weniger Zulauf zu verzeichnen.

Auch das abendliche Band der offenen Kirchen, also die erweiterte hallesche Kirchennacht, konnte die erwartete fünfstellige Besucherzahl nicht erreichen. Trotzdem waren immerhin 8.500 Menschen an diesem Abend unterwegs. Dabei war die Resonanz war von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich. Gab es Kirchen in denen bis zu 800 Personen über den Abend hinweg gezählt wurden, so hatten andere Gottes- und Gemeindehäuser weniger bis gar keinen Zulauf zu verzeichnen. Im Durchschnitt kann man trotzdem von ca. 100 Personen pro Veranstaltungsort sprechen. Soviel zu den Zahlen, was lediglich einen Blickwinkel aufmacht. Viel interessanter waren die vielen „kleinen“ Kommentare, die den gemeldeten Zahlen beigefügt waren. Hier ein Auszug:

  • „Es gab schöne Gespräche. … Für uns ein gelungener Abend. Auch deshalb, weil ein Vertreter des Evangelischen Kirchspiels bei uns war und wir ein Stück die sich im Aufbau befindlichen Kontakte weiter vertiefen konnten.“
  • „…über den Abend verteilt waren ca. 68 Leute zu Gast. Es war ein super Abend mit einem wunderbaren Schauspieler und Programm. In dieser Hinsicht sind wir sehr zufrieden.“
  • „… die Leute aus der mittleren bis älteren Generation hatten viel Spaß. Es sprang wirklich ein Funke der Begeisterung über.“
  •  „Insgesamt war es eine gute Resonanz, viele haben sich über die Gelegenheit gefreut, mal die kleinen Dorfkirchen anzuschauen, gute Gespräche am Rand,…“
  • „Zwischen 18.30 und 24 Uhr hatten wir 146 interessierte Besucher. Tolle Stimmung, super.“ usw.

Vielleicht verliert man, wenn man die Welt nur noch durch den Sucher seiner Kamera sieht, den Blick für´s Wesentliche. Richtig, es hatten weniger Gäste als erwartet ihren Weg in unsere Gotteshäuser gefunden. Aber die familiäre und teils intensive  Atmosphäre entschädigte oft für fehlende Besucherströme. Zahlen sind eben nicht alles. Gut, das immer wieder im Sucher oder besser gesagt vor Augen zu haben.

Im Vorfeld des Finales

Der Gospelworkshop von Chris Lass am letzten Tag des KadW in Halle/Eisleben erwies sich – ebenso wie sein finales Konzert - als ein Publikumsliebling. Und eine Erkenntnis habe auch ich aus seinen Gesangstrainings mitgenommen: Ich bin weder Tenor noch Bass, sondern zähle zu den Menschen, die eine „alternative Tonlage“ beherrschen. Aber selbst diese wusste der Workshopleiter und Musiker Chris Lass gut zu integrieren. Wenige Minuten reichten, bis der Funke von Lass auf mich und die anwesenden Sängerinnen und Sänger übersprang. Ob Workshop oder Konzert, stets gelang es dem Deutsch-Briten das Publikum zum elementaren Teil seines Auftritts werden zu lassen.

Mitmachen statt nur dabei sein – dies zeichnete auch den Familienkirchentag in den Franckeschen Stiftungen aus. Backen, filzen, malen, drucken, stempeln, singen…. was konnte man im einzigartigen Ambiente des Lindenhofes nicht alles erleben?! Und wer nach den intensiven Vortagesprogrammen doch einmal die Beine ausstrecken wollte, konnte beim dortigen Bühnenprogramm sich seine kleine „Auszeit“ nehmen. Oder einen guten Platz reservieren, denn der war rar gesät beim Konzert von Gerhardt Schöne. 400 Menschen sahen den Liedermacher im Schatten des großen Fachwerkhofes.

Finale im Lichterschein

Ob nun aus Eisleben eintreffend – dort gab es ja auch noch etwas zu erleben – oder von einem der vielen Veranstaltungsorte aus Halle kommend, am Ende trafen sich alle wieder vor der Marktbühne. Angeheizt von einen großartigen Konzert der halleschen Salttown Voices, konnte Chris Lass vor dem Reisesegen noch einmal richtig zeigen, was der Star der Gospelszene so zu bieten hat. Parallel dazu liefen schon die Vorbereitungen zur finalen Lichtperformance von Ingo Bracke. Drei Durchgänge brauchte es letztlich, bis alle interessierten Gäste die Vorführung sehen konnten, bei der sich die Architektur zu verflüssigen begann. Ein einmaliges Schauspiel, das jedes Mal anders und doch immer wieder gleich war. Ingo Bracke wurde übrigens am Nachmittag Vater eines Sohnes und widmete die abendliche Lichtshow in Halle seiner Frau und dem Neugeborenen.

Nachspielzeit

Nicht alle schafften den Weg nach Lutherstadt Wittenberg zum Abschlussgottesdienst. Damit niemand allein vor dem Fernseher den Festgottesdienst auf den Elbwiesen verfolgen musste, bot der Evangelische Kirchenkreis Halle-Saalkreis eine Liveübertragung auf einer LED Leinwand an. 25 Bierzeltgarnituren wurden am frühen Morgen aufgebaut und komplett in Anspruch genommen. Ob mit oder ohne Picknick-Korb, ca. 250 Zuschauer hielten trotz der enormen Hitze tapfer die 90 Minuten durch.

Fazit

Die Franckeschen Stiftungen bieten am Himmelfahrtswochenende immer zusätzliche Führungen an, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. In diesem Jahr, so eine Stiftungsmitarbeiterin, prägten viele orange Kirchentagsschals das Bild der Besuchergruppen. Die Verantwortlichen der Neuen Residenz versetzt – nach eigenen Aussagen – nichts so schnell ins Staunen. Aber 1.400 Gäste in zwei Stunden und ein durchgehend wertschätzendes und positives Feedback zu dem neu gestalteten Garten, sorgten für regelrechte Euphorie, die noch bis heute nachklingt.

Beispiele, die zeigen wie weit und eindrucksvoll der Kirchentag in die Stadt wirkte. Natürlich gab es auch kritische Stimmen: zu sehr auf Unterhaltung und Kultur fokussiert, zu wenige oder falsche inhaltliche Schwerpunkte, zu viele Programmpunkte für zu wenige Interessenten etc. Manch eine Kritik ist sicherlich auch berechtigt und wird in der Auswertungsrunde entsprechend gewürdigt.

Nichts desto trotz: Der Kirchentag auf dem Weg Halle/Eisleben war ein Erfolg. Und das nicht nur, weil sich am Ende die Prognose von Siegfried Kasparick bewahrheitete und tatsächlich insgesamt mehr als 20.000 Besuche gezählt wurden. Auch nicht, weil (bis auf das Zeltlager) kein Veranstaltungsformat ausfallen musste. Sondern der KadW war ein Erfolg, weil er überall spür- und sichtbar war. Es ist uns – und damit meine ich auch alle Mitwirkenden und unterstützende Personen bzw. Organisationen – gelungen, als Christen und als Kirche in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Gemeinsam mit unserer Region und unseren Mitmenschen haben wir wahrhaftig einen echten Kirchentag gefeiert.

Als mir die Menschen bei den vielen Begegnungen und Gesprächen sagten, dass Halle/Eisleben die richtige Wahl war und dass sie froh sind, hier mit dabei zu sein, freute ich mich für alle, die so viel Herzblut in den Kirchentag auf dem Weg in Halle/Eisleben gesteckt haben. Danke an alle Helferinnen und Helfer. Danke an alle Kooperationspartner und Unterstützer. Danke an alle, die den KadW organisierten und hinter den Kulissen die Fäden zogen. Sie alle haben dafür gesorgt, dass auch ich sagen kann: „Ich habe Berlin überhaupt nicht vermisst!“

Chapeau! Es war toll!    

Bilder zum kadw...

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