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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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21.08.2017

Warum Wittenberg sich lohnt: (M)ein Bericht zur Weltausstellung

Weltausstellung Reformation

Die Weltausstellung 2017 in Wittenberg wird durch sieben Torräume gestaltet, die unter dem Thema: „Tore der Freiheit“ stehen. Sinnbildlich für die Tore, die mit der Reformation aufgestoßen wurden und neue Freiheiten eröffneten. Die Torräume sind um die Innenstadt herum angesiedelt und laden die Besucher ein, mit verschiedenen Themenschwerpunkten  die Reformation für sich neu zu entdecken und darüber nachzudenken.

Zeitreise zu Luther

Im Torraum Jugend startete ich meinen Tag in Wittenberg. Ein Höhepunkt hier ist das Asisi Panorama. In diesem kann man in einer 360 Grad Darstellung Wittenberg zur Zeit Luthers wieder finden. Yadegar Asisi nimmt den Zuschauer mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1517. Dieses Gefühl wird durch Musik und Soundeffekte unterstützt. Die Besucherinnen und Besucher befinden sich in Mitten Luthers Wittenberg. Von außen sieht das Gebäude eher unscheinbar aus. Im Inneren schafft das Bild eine Atmosphäre, in der sich der Besucher ganz klein vorkommt. So gelingt es Asisi, das auch der Zuschauer Teil des Großen Ganzen wird.

Auf mich wirkt die Darstellung sehr ausdrucksstark. Die Farben sind sehr kräftig und die einzelnen Szenen sind sehr detailliert dargestellt. Jeder Gesichtsausdruck ist genau zu erkennen. Man sieht Kinder spielen, Menschen arbeiten und hört, wie sich andere wiederum unterhalten oder der Prediger Stellen aus der Bibel vorliest. Der Alltag zwischen Schlosskirche und Lutherhaus wird sehr plastisch dargestellt und dies ist sehr gelungen. Genau diese Detailverliebtheit ist es, weswegen sich die Organisatoren von Trägerverein r2017 für Asisi entschieden haben. „Seine Art zu arbeiten spricht eindrucksvoll ganz viele Sinne an.“, so Geschäftsführer Ullrich Schneider. Das finden auch die Bewohner von Wittenberg. „Die Straßenführung kann man wieder erkennen. Man findet sich als Wittenberger wieder.“ Das Typische des Mittelalters wurde sehr gut verdeutlicht, so dass man tatsächlichen eine konkrete Vorstellung dieser Zeit mit nach Hause nehmen kann.

Nach Asisi ergründe ich weiter den Torraum Jugend. Im angrenzenden kleinen Park gibt es zu Beginn einen Klangparcours. Wenn man durch das aufgestellte Tor geht, sind zur rechten und linken Seite Holzpfähle, Sitzmuscheln und Strandkörbe (Leihgaben der Nordkirche) aufgebaut. In den Bäumen hängen Lautsprecher, aus denen Bibelstellen zu verschiedenen Themengebieten zu hören sind, in Deutsch, als auch in Englisch. An sonnigen und trockenen Tagen kann man den Lesungen im Sitzen entspannt zuhören und die Texte auf sich wirken lassen. Diese sind immer zu bestimmten Themen ausgewählt, wie z. B. Identität.

Kunstknast

Ein weiteres Highlight ist im Torraum Kunst zu finden – „Luther und die Avantgarde“, eine Kunstausstellung für zeitgenössische Kunst im ehemaligen Gefängnis in Wittenberg. In 30 Zellen sind Werke von 70 Künstlerinnen und Künstlern aus fünf Kontinenten ausgestellt. Diese setzen sich künstlerisch mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinander. So wie Luther sich mit seiner Zeit kritisch auseinandersetzt hat. Kunst in einem Gefängnis auszustellen, auch wenn es als solches nicht mehr genutzt wird, wirkte auf mich trotzdem einschüchternd. Die Beklommenheit des Gebäudes habe ich immer noch gespürt. Im Gegensatz zum tristen Erscheinungsbild des Gefängnisses stehen die teilweise jedoch knalligen und farbenfrohen Arbeiten der Künstler.

Mein Highlight unter den vielen Exponaten war die Zelle mit der Arbeit von Xu Bing. Dieser versucht seit 2003 ein Sprachsystem zu entwickeln, das auf Piktogrammen und Symbolen basiert. Diese erlangen weltweit immer größere Bedeutung. Mit einer eigens programmierten Computersoftware übersetzt er die chinesische und deutsche Sprache in eine Symbolsprache und ermöglicht so ein universelles Verständnis. Ohne die jeweilige Sprache zu beherrschen, versteht jeder was gemeint ist. In seiner Ausstellungszelle konnte man sehen, wie er bereits Teile der Bibel mit Hilfe dieses Sprachsystems übersetzt hat.

Luther weltweit

Einer der letzten Torräume auf meinem Weg ist der sechste, Ökumene und Religion. In einem großen Zelt laden Kirchengemeinden aus anderen Ländern zum Austausch und Gespräch ein. Hier finden sich z.B. die „Central Toronto Ministry Area – Evangelisch Lutherische Church Canada“ oder die Evangelisch Lutherische Kirche in Südafrika. In beiden Ländern gibt es regional noch immer Gottesdienste die auf Deutsch gehalten werden. Denn die Christen dort sind größtenteils Einwanderer, die schon seit mehreren Generationen dort leben. Die südafrikanischen Christen haben kleine Botschaften als symbolische Geschenke mit nach Wittenberg gebracht. Sie haben ihre Antwort auf die Frage: ‚Was Reformation für sie bedeutet‘ aufgeschrieben:

  • Durch den Glauben verbunden zu sein.
  • Durch Gottes Gnade zusammen gehören.
  • Das der Glaube für alle verständlich wird.

Ein weiteres Highlight im sechsten Torraum sind die Wunschwolken. Im Zeitraum der Weltausstellung feiern verschiedene Religionen ihre Glaubensfeste. So z.B. im Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus oder Buddhismus, die fünf großen Weltreligionen. Anlässlich dieser Ereignisse können die Besucherinnen und Besucher ihre Wünsche und Hoffnungen auf Zetteln festhalten. Diese werden dann in durchsichtige Röhren gesteckt, die die „Wunschwolken“ darstellen und in großer Zahl in den Bäumen verteilt aufgehängt. Zu den jeweiligen Festen werden die Röhren beleuchtet und die Wünsche werden somit Teil der Wolken. Es war faszinierend zu sehen, wie viele Leuchtröhren in den Bäumen hingen und Wünsche von Menschen in sich beherbergten.

Großes Buch, weite Welt

Die Bibel ist das Buch der Bücher, unabhängig von Größe und Erscheinungsform.

Wahrzeichen der Stadt sind Stadtkirche und Schlosskirche. An letzterer soll Martin Luther der Überlieferung nach 1517 seine 95 Thesen an die Tür geschlagen haben. Jedoch gibt es in diesem Jahr in der Stadt einige Highlights, die nur noch bis zum 10. September im Rahmen der Weltausstellung zu sehen sind. Dazu gehört zweifelsohne auch das Bibelmuseum. Es war für mich beeindruckend, dort die kleinste und größte Bibel der Welt im Original zu sehen. Während die eine etwa eine halbe Tonne auf die Waage bringt ist ihr kleineres Pendant nur mit speziellen Gerätschaften zu lesen. Die kleinste blätterbare Bibel ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel. Beide Ausstellungsstücke sind Leihgaben des „Museum of Bible“, Washington, D.C. Der Kurator der Bibelausstellung, Roland S. Werner, nutzte seine Beziehungen zu diesem amerikanischen Museum, welches sich gerade im Umbau befindet und im November 2017 neu eröffnet wird. So gelangten die Exponate während dieser Zeit nach Wittenberg und bereichern jetzt die Weltausstellung.

Fazit  

Der Besuch in Wittenberg hat sich für mich definitiv gelohnt. Die Torräume sind spannend und ereignisreich gestaltet. Sie regen zum Nachdenken und Auseinandersetzen an. Für jede Generation ist etwas dabei. Mich hat sehr beeindruckt, wie mit den Torräumen Plätze zur aktuellen Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen unter Einbeziehung historischer Plätze geschaffen wurden.

In Wittenberg ist der Geist der Reformation überall spürbar. Es war faszinierend zu sehen, wie viele internationale Besucher genau deswegen den Weg nach Wittenberg gefunden haben. Ein buntes Stimmengewirr ist in den Straßen, Cafe’s und Ausstellungsstätten zu hören. Ich hatte den Eindruck, dass ganz Wittenberg sich über das weltweite Interesse freut. Diese Freude ist für die Gäste allenthalben spürbar – mich eingeschlossen. Ich habe einen Tag in Wittenberg verbracht und versucht, so viel wie möglich zu sehen. Leider hat die Zeit nicht für alles gereicht. Dafür sind die Orte, Angebote und Eindrücke viel zu zahlreich.

Und warum lohnt nun ausgerechnet ein Besuch bei der Weltausstellung Reformation? Dafür gibt es viele Gründe. Aber einer steht ganz oben: Diese Art der Präsentation, eine Kombination aus Ausstellung und originalen Schauplätzen der Reformation ist einmalig und wird es wohl in dieser Form nie wieder geben! Besucher aus aller Welt pilgern nach Wittenberg um diese Ausstellung zu sehen. Solch eine Symbiose von Kunst, Kultur und Religion in öffentlichem Raum findet sich wahrscheinlich in dieser Form weltweit nirgends. Neben Kirchentag und Konficamp ist die Weltausstellung Reformation damit tatsächlich ein echter Höhepunkt im Jubiläumsjahr 2017, den man nicht verpassen sollte. Wer noch nicht da war, sollte sich jetzt aber sputen. Nur noch bis zum 10. September können die Torräume im Zentrum der Lutherstadt besichtigt werden. Um alles zu erkunden sollte man sich bestenfalls ein ganzes Wochenende Zeit nehmen.

Mehr Informationen zur Ausstellung und zu Preisen finden sie unter r2017.org

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