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Evangelischer Kirchenkreis Halle-Saalkreis

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Ausschreibungen, Nominierte und Preisträger des Medienkunstpreises vergangener Jahre

2015: Moritz Küstner (Nominiert für den Medienkunstpreis)

Exposé: „Die Stille ist der Klang der Furcht.“ - über das Leben der Krimtataren

Seit der Annexion der Krim durch Russland ist für die islamische Minderheit der Krimtataren erneut eine schwere Zeit angebrochen. Viele stellen sich die Frage ob ihre Heimat, die Krim noch der richtige Ort zum Leben ist.

Um die Haltung der Krimtataren in diesem Konflikt zu verstehen, muss man ihre Geschichte kennen. Die Halbinsel Krim, welche an einer schmalen Stelle mit dem ukrainischen Festland verbunden ist und eine Zunge Richtung Russland streckt, war schon immer ein Spielball der großen Mächte. Nachdem die Rote Armee die Krim im zweiten Weltkrieg von den deutschen Besatzern zurück erobert hatte, wurde den Krimtataren vorgeworfen mit den Deutschen kollaboriert zu haben. Stalin ließ das gesamte indigene Volk als Bestrafung in der Nacht zum 18. Mai 1944 deportieren. Drei Wochen lang rollten Züge mit den rund 189.000 Menschen nach Sibirien. Dabei ließen mehr als ein Drittel aller Krimtataren ihr Leben, sie verdursteten oder verhungerten auf der langen Fahrt. Erst ab 1988, mit dem Beginn des Zusammenbruchs der Sowjetunion, durften sie wieder in ihre Heimat zurückkehren. Obwohl mehr als eine ganze Generation nie ihre Heimat kennengelernt hatte, kehrten hunderttausende Krimtataren auf die Krim zurück, wo sie nun 12 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie sind im politischen Gefüge der Krim zu einer nicht zu unterschätzenden Macht geworden. So rief im März 2014 Mustafa Dschemiljew, der Vorsitzende des Medschlis, einer selbstgegründeten

Minderheitenregierung, alle Krimtataren dazu auf das Referendum zum Anschluss der Krim an Russland zu boykottieren. Russland reagierte mit Einschüchterungen und Repressionen. Anderthalb Jahre später ist es still geworden um die Krimtataren. Kaum einer traut sich mehr öffentlich seine Meinung zu sagen. Zu viele wurden eingeschüchtert, eingesperrt oder sind geflohen und haben ihre Heimat erneut verlassen.

Meine Fotoarbeit für die ich einen Monate auf der Krim verbrachte umfasst 28 Bilder mit umfangreichen Bildunterschriften, sowie drei Zitate und liegt als fertige Ausstellung vor.

Am 16. Mai 2015, zwei Tage vor dem 71. Jahrestag der Deportation, machten sich rund 5000 junge Krimtataren auf den Weg zum Gipfel des Chatyr-Dags, um dort gemeinsam zu beten und der Opfer der Deportation zu gedenken.

Zarina Ametov Mann war der erste Fall in dem eine kirmtatarischer Aktivist entführt wurde. Seine Leiche wurde rund drei Wochen nach seinem Verschwinden übersät mit Folterspuren aufgefunden. Obwohl es einen Videomitschnitt gibt, der die Entführung zeigt, wurde der Witwe Zarina Ametov vor einem Monat per Post mitgeteilt, dass die Ermittlungen im Fall ihres Mannes ohne Ergebnis eingestellt worden sind. Auch an ihren drei Kindern ist der Verlust ihres Vaters nicht spurlos vorüber gegangen. Besonders macht sich Zarina um ihre dreijährige Tochter Hatige Sorgen. Ihr fällt es schwer, das Trauma zu überwinden.

Auf dem krimtatarischen Frühlingsfest Hydyrlez inszenieren sich die russischen Behörden als Friedensbringer und lassen Luftballons in den Farben Russlands aufsteigen.

Zum 71. Jahrestag der Deportation, am 18. Mai 2014, verbot die russische Verwaltung jegliche öffentlichen Veranstaltungen, um die Gefahr des Terrorismus einzudämmen.

So blieb den Krimtataren nur die Möglichkeit in der Moschee zu beten und zu trauern und nicht wie früher in der Innenstadt zu demostrieren. Nach dem Gebet verlässt Mufti Emirali Ablaev, das höchste religiöse Oberhaupt der Krim, die Moschee.

Mit der Rückkehr der Krimtataren versuchten die Behörden zu verhindern, dass sich diese an der Küste niederlassen, welche durch den Tourismus sehr lukrativ ist. Trotzdem entstanden an vielen der Touristenorte krimtatarische Siedlungen, wie auch in Alupka.

Plakat Fotokunstpreis 2016/17

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